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Outfit // Bodyneutrality // Zwischen Selbstliebe und Selbsthass

7. Oktober 2017

Nachdem wir Frauen jahrelang von perfekten Körpern in Modezeitschriften und auf den Laufstegen der Welt terrorisiert worden sind (oder auch immer noch werden), kam der neue Hype: Bodypositivity!
An jeder Ecke, auf jedem Blog, jedem Kanal, einfach überall. Und ich muss ehrlich mit euch sein: Es setzt mich unter Druck!

Erst sollten wir Frauen schlank sein. Erklärte uns doch jede Frauenzeitschrift wie man schnell 5 Pfund in 2 Tagen mit DER neuen Wunderdiät abnehmen kann (im Anschluss folgten die besten Kuchenrezepte, Ironie?!).
Dagegen kämpfen Frauen jeden Alters und jeder Kleidergröße nun an. Liebt euch so wie ihr seid, so wie ihr seid, seid ihr perfekt. Mit euren Dellen, Polstern und dem bisschen Hüftspeck. Juhu, wunderbar… in der Theorie. Denn euphorisiert von dem ersten Gedanken meinen Körper nun endlich so zu lieben wie er jetzt gerade ist, folgt die Ernüchterung.

Den Kopf umprogrammieren

Nun steh ich also da und soll meinen Körper bedingungslos lieben wie er ist, nachdem mir 26 Jahre lang eingetrichtert wurde dünn, dünn und nochmals dünn zu sein. Und ich habe als Teenager sehr darunter gelitten und mir falsche Frauenbilder zum Vorbild genommen. Mir schwirrt der Kopf, denn diese Aufforderung setzt mich mindestens genauso stark unter Druck. Denn ich bin ja nicht auf Knopfdruck ein komplett neuer Mensch, nur weil ich das jetzt will oder muss.
Bodypositivity ist ein Prozess, der sich nach und nach im Kopf fest setzen muss, trainiert werden muss und vielleicht eines Tages Früchte trägt oder auch nicht!? Kann ich das? Oder besser gefragt: Will ich das?
Ich habe für mich entschieden: Ich will das nicht!

Muss ich jetzt “Entweder” “Oder” wählen?

Zwischen bedingungsloser Selbstliebe und Verachtung des eigenen Körpers muss es doch noch einen Mittelweg geben, dachte ich mir und stieß auf das Thema: Bodyneutrality
Es bedeutet für mich, die Freiheit zu haben, mich an dem einen Tag total blöd zu fühlen und zu schmollen, weil ich meine Jeans nicht zu bekomme und am anderen Tag zu denken: Egal, der Kuchen von Oma war es wert! Zieh ich eben was anderes an.
Wieso müssen wir Frauen uns überhaupt pausenlos mit unserem Körper auseinander setzen? Haben wir denn nichts besseres zu tun? Betrachten wir ihn einfach neutral.

Unser Körper, unser Zuhause

Unser Körper ist eben unser Zuhause und er beherbergt das, was wir eigentlich sind. Unseren Charakter, unsere Vorlieben, unsere Interessen, unser Glück. Das sind die Dinge die uns beschäftigen sollten.
Natürlich müssen wir ihn pflegen (das ist sogar sehr wichtig, denkt immer an eure Gesundheit, Mädels), aber wir dürfen ihn über den Tag hinweg auch gerne mal vergessen und er darf uns gerne auch einfach mal egal sein. Denn es gibt wichtigere Dinge im Leben.

Ich möchte in keiner Weise die Leute verurteilen, die Bodypositivity leben und lieben. Im Gegenteil, ich bewundere all diejenigen, die jeden Tag aufstehen und die Stärke und die Kraft beweisen sich bedingunslos zu lieben so wie sie sind. Ich möchte nur sagen, dass es auch einen Mittelweg gibt, den wir gehen können. Und dieser Weg ist weder schlechter noch besser.
Aber dieser Weg lässt uns vielleicht endlich mal entspannt durchatmen.

Und auch für dieses heikle Thema nur ein Outfit von mir und keine Bilder auf denen ich happy in Unterwäsche tanze.
Wie steht ihr dazu? Habt ihr von Bodyneutrality schon einmal gehört?

  1. Absolut wichtige Gedanken die Du hier ansprichst. Ich gebe Dir vollkommen Recht das erst Twiggy dann doch eher mollige Frauen IN waren etc. Aber wie kann überhaupt eine figur IN sein? Was ein Schwachsinn oder?! Daher triffst Du es absolut uf dem Punkt: unser Körper ist unser Zuhause und wir sollten entscheiden ob wir IHN toll finden oder nicht und wie er auszuschauen hat.

    Liebe Dich so wie du bist, dann lieben dich auch andere 🙂

    Liebste Grüße
    Caroline | http://www.modesalat.com

  2. Hallo liebe Svenja!
    Für mich stellt sich viel mehr die Frage: brauchen wir denn für alles ein Label? Eines nach dem man sich Tag aus Tag ein richten muss. Und ja nicht mal anders denken darf. Ich weiß nicht.
    Ich stimme dir auf jeden Fall zu – wir dürfen unseren Körper mal gut und mal doof. Man fühlt sich eben nicht jeden Tag gleich. Und das ist auch okay so 🙂 Ich probiere meine Körper so gut wie es nur irgendwie geht zu behandeln, doch gibt es eben auch Momente, wo er einmal hinten anstehen muss – und ich wei ßdann aber: Er wird es mir verzeihen 🙂 Denn er ist stark!

    Danke für diesen spannenden Artikel Svenja!!
    Ich wünsche Dir einen gemütlichen Nachmittag und eine schöne Restwoche!
    Liebste Grüße an Dich! ♥ Saskia von Dem Wind entgegen

  3. Da triffst du bei mir genau ins Schwarze. Das Thema Figur beschäftigt mich seit vielen Jahren. Erst habe ich ständig abgenommen und dann wieder zu. Jetzt bin ich an einem Punkt, an dem ich mich einfach nicht mehr wiege. Ich sehe im Spiegel, dass es nicht das ist, was ich mir vorstelle, aber ich möchte momentan nicht wieder auf alles verzichten. Daher nehme ich es so, wie es gerade ist. Es geht immer schöner und besser, aber ich fühle mich gerade wohl. Daher bleibt erst mal alles so, wie es ist.

    Tolles Outfit übrigens!

    LG Christine
    http://pretty-you.de/

  4. Davon habe ich tatsächlich noch nie gehört und es erscheint mir als wunderbarer Mittelweg. Wie sollte ich sonst jemals auf ein gutes Stück Schokotorte von Oma verzichten können??? Das will ich auch gar nicht. Nicht für das perfekte Schönheitsideal dieser Welt.
    Ich denke mit fast 30 muss man das auch gar nicht mehr. Es gibt 100 Millionen anderer Dinge, die wichtiger sind, die mir mehr Kopfzerbrechen bereiten. Da tut der eigene Körper nun wirklich nichts mehr zur Sache.
    Viele Grüße
    Svenja von http://www.lovelysuitcase.de

  5. Ein wirklich toller Post, meine liebe Svenja! Du sprichst hier ein wirklich wichtiges Thema an! Auch, wenn das Körperbefinden nicht jeden Tag dasselbe ist, so find ich es einfach wichtig, dass man sich so akzeptiert, wie man ist. Ob dick oder dünn, groß oder klein, je früher man mit sich selbst ins Reine kommt, umso einfacher lässt es sich leben. Ich finde es ohnehin schade, dass man sich heute so über das Gewicht definiert… Dein Look ist übrigens super schön! Der Trägerrock hat echt Retro-Flair!

    Liebst, Sarah-Allegra
    http://www.fashionequalsscience.com/

  6. Liebe Kerstin, witzigerweise od eher bedauerlicherweise entsteht aus einer anfangs gut gemeinten bewegung immer ein Hype wird der dann wiederum negativ behaftet ist. Die Gesellschaft bzw der mediendruck nach perfektion wird wohl nie aufhören. Gefestigten Menschen kann er nix anhaben aber jungen Teenagern schon weil alles immer abgekauft wird. Ich weiß noch wie ich in der Schule gehänselt wurde als fette kuh weil ich nie den Maßen entsprach.
    Am besten nicht so selbst kritisch zu sich sein und sich selbst gut finden so wie man ist. 🙂
    Glg Karolina
    https://kardiaserena.at

  7. Gehört hab ich davon noch nicht aber es ist wohl der normalste Zustand, den es zum eigenen Körper gibt. Schön, dass es dafür jetzt auch eine Schublade gibt 😀 Mir ist neulich erst aufgefallen, dass ich meinen Körper eigentlich so mag wie er ist und das es okay ist, dass ich 10kg zugenommen habe, weil mir das ein Jahr lang selbst nichtmal aufgefallen ist und ich mich trotzdem mochte. Die meiste Zeit denke ich mir sowieso, naja, er ist halt da, 24 Stunden und er funktioniert und darum gehts doch eigentlich.

    Liebst Daniela
    von http://cocoquestion.de

  8. Liebe Svenja,
    vielen Dank für den sehr schönen Post mit wichtigen Gedanken.
    Letztendlich ist es pure Psychologie, wie wir mit dem Körper umgehen und es kann man trainieren. Für mich ist das Trias Body-Soul-Mind wichtig und daran arbeite ich seit ich denken kann. Nur so kann ich stark in den Spiegel schauen und ICH sein – positiv, negativ, neutral und emotional 🙂

    Viel Spaß auf Deinem Weg zu Deiner Mitte 🙂

    Sonnige Grüße, Agnes

  9. Ich fand es immer blöd, dass man ständig entweder … oder wählen muss. Für uns Frauen ist es absolut normal uns an einem Tag zu lieben und am nächsten sich als zu dünn, zu dick, zu blass und, und und, zu empfinden. Das ist die Frauennatur, dagegen können wir nicht wirklich vorgehen. Es bleibt im Kopf. Für mich war es immer schon sehr wichtig gut auszusehen. Ich habe immer viel Sport getrieben und glücklicherweise war ich von Natur her sehr dünn. Allerdings finde ich, dass jeder Frau so aussehen soll, wie sie sich wohl fühlt. Ein Paar Kilos mehr zu haben ist absolut in Ordnung, wenn man sich selbst gefällt. Doch wenn man für sich und eigenen Körper nichts tut, kann es für mich persönlich keine Rede von Selbstliebe sein. Das kaufe ich solchen Menschen nicht ab.

    Dein Outfit gefällt mir so gut! By the way, du hast ein sehr schönes Lächeln.

    Hab eine tolle Woche!

    Daria

    http://www.dbkstylez.com

    1. Hallo Daria, vielen Dank für deinen Kommentar und dein Kompliment 🙂
      Ich bin auch der Meinung, dass man seinen Körper unbedingt pflegen muss, von innen und von außen.
      Ich wünsche dir auch eine tolle Woche!

  10. Wow ein toller Text damit wirst du vielen aus der Seele sprechen. Ich selbst hab eine gabze zeit lang meine Nahrung nur noch in Kalorien gesehen und hab immer Phasen wo ich einfach nichts essen will und erst wieder esse wenn mir schon total schlecht ist oder ich unterzuckert bin. Irgendwie finde ich es schwierig weil man nicht nur von Zeitschriften sondern auch auf Instagram und was weiß ich wie ich finde immer noch schön sein muss und einfach immer damit konfrontiert wird. Ich finde es schön dass du bewusst dieses Thema in Angriff nimmst und ich denke wenn man sich selbst immer wieder daran erinnert dass es einem egal sein kann was andere von einem halten oder denken dann kann man da auch auf den richtigen Weg kommen aber manipulieren lassen wir uns ja immer ein wenig . Mach weiter so :-*

    1. Hallo Kerstin, du hast so recht. Es ist wirklich schwierig sich dem zu entziehen. Alle predigen auf Instagram “Akzeptier dich wie du bist”, dabei sind das meist so perfekte Mädels, bei denen man sich denkt “Nunja, was solltest du nicht an dir akzeptieren” 😉
      Es ist wirklich schwer, aber auch wichtig, dass man sich immer wieder vor Augen führt, dass diese Welt nicht echt ist, auch wenn wir uns gern davon manipulieren lassen. Aber ich glaube je älter man wird, desto einfacher wird es 🙂

  11. du sprichst mir so aus der Seele meine Liebe!
    auch wenn man Bodypositivity meistens gleichsetzt mit der Zufriedenheit des eigenen Gewichts und ich i der Hinsicht keine Wünsche offen habe. manche Frauen sind eben auch sehr groß oder eben sehr klein und auch hier ist Bodypositivity gerfragt 😉

    deine Look finde ich übrigens so schön! habe mir diesen Herbst auch einen Trägerrock gegönnt – ein sehr cooles Retro-Revival wie ich finde 🙂
    hab noch einen wunderschönen Sonntag meine Liebe,
    ❤ Tina von http://liebewasist.com

    1. Hallo liebe Tina, oh du hast recht. Den Größenaspekt habe ich völlig außer Acht gelassen. Sicher auch viele andere Besonderheiten, die der Körper so haben kann. ich habe bspw. meine Muttermale früher gehasst, fand sie hässlich und wollte sie unbedingt verstecken. Heute weiß ich, dass sie zu mir gehören und mich aus machen und ich habe sie akzeptiert (auch, wenn sie mich manchmal doch noch stören, für kurze, kleine Momente ;))

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